„TANZKULTUREN DER WELT“

Projektinformationen: „TANZKULTUREN DER WELT“

Zeitgenössischer Tanz im neuen Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt, Köln

Das Konzept

Das Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt sucht seit langen Jahren er- gänzend zu seinen Dauer- und Sonderausstellungen weitere Wege in der Verknüp- fung seiner Sammlung mit aktuellen Frage- und Themenstellungen. Seit der Neuer- öffnung im Oktober 2010 konzentriert sich das Haus auf einen aktiven Dialog zwi- schen Besuchern und Exponaten, der in den Ausstellungen oftmals multimedial er- folgt und außerhalb des klassischen Ausstellungsbetriebes in ein vielfältiges Veran- staltungsprogramm mündet. Neben wissenschaftlichen Vorträgen, Lesungen, Kon- zerten, Filmvorführungen und sogenannten „Thementagen“ mit Länderschwerpunk- ten eröffnet insbesondere die 2010 ins Leben gerufene Reihe „TANZKULTUREN DER WELT“ unterschiedlichen Besuchergruppen ungewöhnliche Zugangsmöglich- keiten zu den Kulturen der Welt.

Choreografen, Tänzer und Musiker aus verschiedenen Kulturen und diversen künst- lerischen Perspektiven finden hier eine Plattform, neuartige Zugänge zu den Ausstel- lungsinhalten und -themen des Museums mittels des zeitgenössischen Tanzes zu erkunden. Kulturwissenschaftliche Fragestellungen, die wechselnden Sonderausstel- lungen als auch der Sammlungsbestand des Hauses und sein Themenparcours „Der Mensch in seinen Welten“ regen den Dialog und eine intensive künstlerische Ausei- nandersetzung an. Für alle Beteiligten, Darsteller wie Publikum, entsteht durch Tanz und Museum ein ungewöhnliches Zusammenspiel: Performance in einem eher stati- schen Umfeld der musealen Präsentation.

Die jeweils beauftragten Künstler der Reihe lassen sowohl das Foyer, den Veranstal- tungssaal als auch die Ausstellungsflächen in neuem Licht erscheinen. Während einmal das Foyer durch Bildprojektionen und Tanz in einen großen Bühnenraum verwandelt wird, wird dahingegen ein anderes Mal die Ausstellungsfläche selbst durch Performer und Besucher bespielt. Herkömmliche Konventionen einer Bühnen- darbietung als auch die Funktionalität eines Museumsraumes werden aufgebrochen. Besucher werden in das Geschehen hineingezogen, Grenzen zwischen Beobachter und Akteur aufgehoben. So wie die szenografisch präsentierte Ausstellung des Rau- tenstrauch-Joest-Museums seit seiner Neukonzeption als sinnlicher Erlebnisraum erfahrbar ist, wird die museale Präsentation durch die Tanz- und Performancedarbie- tungen um visuelle, taktile und akustische Eindrücke ergänzt und die Ausstellungsin- szenierung um einen sonst so vielfach vernachlässigten Aspekt erweitert. Museum wird lebendig.

Rückblick: Programmzyklus 2010/2011

Bereits im Dezember 2010 setzte sich der brasilianische Choreograf und Tänzer Car- linhos Batá in seiner Arbeit „Orixas“ mit religiösen Synkretismen der afrikanischen Diaspora in Mittel- und Südamerika und den Hintergründen von Kolonialisierung, Sklavenhandel und Migration auseinander. Die zeitgenössische Tanzperformance „Urban Fragments“ im März 2011 entstand in enger Auseinandersetzung mit der ers- ten Sonderausstellung des Museums am neuen Standort: „Afropolis. Stadt, Medien, Kunst“ – eine Ausstellung, welche sich mit Fragen der Urbanität in fünf afrikanischen Großstädten beschäftigte. Unter der Leitung zweier südafrikanischer Choreografen, Athena Mazarakis und Jay Pather, und der Kölner Choreografin Vera Sander, ent- stand so zusammen mit StudentInnen des Zentrums für Zeitgenössischen Tanz (ZZT) an der Hochschule für Musik und Tanz Köln (HfMT) ein sehr ambitioniertes Projekt, welches sich der Herausforderung annahm, eine tänzerische Performance an einem musealen Ort mit all seinen Konventionen und Erwartungen zu entwickeln.

Im April 2011 trat der Pantomime Milan Sladek in seiner Auftragsarbeit „Kosmos To- raja“ in unmittelbaren Dialog mit dem im Foyer ausgestellten Reisspeicher der Toraja aus Süd-Sulawesi, Indonesien, und dem sich darin spiegelnden Weltbild. Begleitet wurde seine Arbeit durch die Neukomposition der Pianistin Dorothée Haddenbruch, die sich ebenfalls in musikalischer Hinsicht mit der Kultur der Toraja auseinander- setzte. Die vierte Produktion „dancers“ unter der künstlerischen Leitung von Mateo

Klemmayer und Michael Maurissens ging dem Thema der Sozialisation von Tänzern nach und wurde im Juli 2011 uraufgeführt. Diese Arbeit warf den Blick vor allem auf das Genre des klassischen Balletts. Das Projekt „dancers“ von m&company verband das Erforschen sozialer und kultureller Zusammenhänge mit einem Bühnenerlebnis, welches die Besucher die technisch hohe Versiertheit und Bühnenpräsenz der im klassischen Ballett ausgebildeten Künstler sowohl auf der Leinwand mittels doku- mentarischen Filmmaterials als auch auf der eigens geschaffenen großformatigen Bühne im Museumsfoyer erleben ließ. Gemeinsam mit Künstlern des Lehrbereichs Mediale Szenografie der Kunsthochschule für Medien schafften die Choreografen eine multidisziplinäre Tanzperformance, welche klassische Balletttänzer, klassische Ballettstücke und Musikpartituren in den Vordergrund stellte und gleichzeitig kulturel- le Verflechtungen hinterfragte.

Neue Projekte: Programmzyklus 2012

Durch die weitere Förderung der Projektreihe durch die Landesregierung im Rahmen der Projektförderung „klassischer“ Kultureinrichtun- gen im Bereich der interkulturellen Kulturarbeit wurde die Fortführung der Tanzreihe auch im Jahr 2012 ermöglicht. Weitere vier Auftragsproduktionen widmen sich zentralen museologischen Themen als auch einer neuen Sonderausstellung.

„Sammeln“ und „Archivieren“ sind zentrale Aufgaben von Museen. Diesen Aspekten widmen sich die Tanzprojekte, die den Auftakt der Tanzreihe in diesem Jahr bilden werden. „East meets West“ (Aufführungstermine
30./31. März 2012; Choreografie: Ilona Pászthy und Slava Gepner, Regie: Svetlana Fourer) und „LICHT-TRILOGIE“ (Aufführungstermine 28./29./30. Juni2012; Regie/Choreografie: Kristóf Szabó).

Für die Arbeit „East meets West“ recherchieren die Choreografin Ilona Pászthy und der Choreograf Slava Gepner als auch die Regisseurin Svetlana Fourer in der Aus- stellung und den Museumsdepots über Facetten des Sammelns und Ausstellens ethnografischer Artefakte. Wie erfolgt(e) die Aneignung der Objekte? Wie werden diese konserviert und aufbewahrt? Wie begegnet der Betrachter den Objekten ande- rer Kulturen? Es entsteht eine installationsartige Performance für den zum Tanz ein- ladenden, weiträumig gestalteten Foyerbereich des Museumsneubaus. Ein gestalte- ter öffentlicher Raum für zwischenmenschliche Begegnung, ein Ort des Austausches und der Kommunikation zwischen und über Kulturen. Nun bespielen diesen Raum Tanzkünstler, die zwischen der Ausstellung, der Institution des Museums und den Besuchern eine vermittelnde Rolle einnehmen.

Weitere Informationen zum Stück s. beiliegendes Dokument „Projekt EAST MEETS WEST“ oder unter www.museenkoeln.de/rautenstrauch-joest-museum.

Das Stück „LICHT-Trilogie“ widmet sich Fragen des Speicherns und Aufbewahrens und spannt einen weiten Bogen hin zu religiösen Fragestellungen, dem kulturellen Gedächtnis und der Religiösität des Lebens. „LICHT-Trilogie“ ist ein intermediales Tanztheater von Kristóf Szabó, welches die Stücke „LICHT I“ (UA 2009) und „DEEP BREATH (LICHT II)“ (UA 2011, nominiert für den Kölner Tanztheaterpreis 2011) um einen weiteren Teil „LICHT III“ ergänzt und vervollständigt. Mit Mitteln des Tanzes, elektronischer Musik, Text/Poesie und filmischer Animationsverfahren lässt sich der Choreograf durch die Themen des ethnologischen Museums inspirieren und anre- gen. Es kommt zu einer nachträglichen Erweiterung der schon aufgeführten Teile der Trilogie und hinterfragt sie erneut.

Weitere Informationen unter www.lichttrilogie.com bzw. ab März unter www.museenkoeln.de/rautenstrauch-joest-museum

Ausblickend auf die zweite Jahreshälfte kann darauf verwiesen werden, dass ergän- zend zur Sonderaustellung „Rama und Sita – Indiens schönste Liebesgeschichte“, welche von April bis Oktober im Rautenstrauch-Joest-Museum präsentiert werden wird, sich internationale Tänzer und Choreografen mit dem indischen Epos Ramaya- na auseinandersetzen werden. Des weiteren intensiviert das Rautenstrauch-Joest- Museum in diesem Programmzyklus die bereits im ersten Programmzyklus erfolgrei- che Kooperation mit dem Zentrum für Zeitgenössischen Tanz (ZZT) der Hochschule für Musik und Tanz/Köln (HfMT, Köln) fort und kooperiert auch in diesem Projekt er- neut mit international renommierten Choreografen.

Die Erarbeitungsphase der jeweiligen Aufführungsprojekte beinhalten einen intensi- ven Austausch über das Museum, künstlerische Präsentationsweisen, ortsspezifi- sche Performance und tänzerisches Forschen und Choreografieren. Daher ist uns eine offene Teilhabe an diesen Prozessen sehr gelegen. Gerne stehen die Künstler als auch die Projektleitung während der Planungs- und Probenprozesse für Rückfra- gen und Interviews zur Verfügung.

Weitere Informationen zu den Projekten:

Ulrike Nestler
Projektleitung TANZKULTUREN DER WELT Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt Leonhard-Tietz-Straße 10
50676 Köln

Telefon: 0221/221-31307
Telefax: 0221/221-31333
E-Mail: ulrike.nestler(at)stadt-koeln.de Internet: www.museenkoeln.de

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